Die zu große Perücke

Eine beson­de­re Fach­kun­de besteht für den Ver­käu­fer einer Echt­haar­pe­rü­cke im Hin­blick auf die tech­ni­schen Fra­gen einer Ersatz­haar­pe­rü­cke, aber nicht zu medi­zi­ni­schen Sach­ver­hal­ten, ins­be­son­de­re nicht zur künf­ti­gen gesund­heit­li­chen Ent­wick­lung.

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge einer Kun­din abge­wie­sen, die ihr Geld wegen einer nicht pas­sen­den Perü­cke zurück­ver­lang­te. Am 2. April 2013 kauf­te die 25- jäh­ri­ge Klä­ge­rin aus Hamm bei dem beklag­ten Münch­ner Zweit­haar­stu­dio eine blon­de Echt­haar­pe­rü­cke zum Preis von 3500 Euro. Die Klä­ge­rin hat­te zu die­sem Zeit­punkt zwei etwa „Fünf D‑Mark” gro­ße Fle­cken im Bereich des Hin­ter­kop­fes, wo das Haar aus­ge­fal­len war. Ansons­ten trug die Klä­ge­rin schul­ter­lan­ges Haar. Zum Zeit­punkt des Kau­fes saß die Perü­cke per­fekt.

Die Klä­ge­rin ver­langt von dem Zweit­haar­stu­dio ihr Geld zurück gegen Rück­ga­be der Perü­cke, da die Perü­cke zu groß sei und eine Nach­bes­se­rung durch das Stu­dio ver­wei­gert wor­den sei. Die Klä­ge­rin lei­det an einer Auto­im­mun­erkran­kung, in deren Fol­ge sie ihr Kopf­haar voll­stän­dig ver­lo­ren hat. Ohne das Eigen­haar war nun­mehr die Perü­cke zu groß. Die Klä­ge­rin behaup­tet, die Bera­tung durch die Beklag­te sei nicht fach­kun­dig gewe­sen.

Das Zweit­haar­stu­dio sagt, von der Erkran­kung und den Kon­se­quen­zen nichts gewusst zu haben. Es sei dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den, dass die Pass­form der Perü­cke nur nach dem gegen­wär­ti­gen Zustand des Kop­fes und des dar­auf befind­li­chen Eigen­haars gestal­tet wer­den kön­ne. Die Beklag­te wei­gert sich, das Geld zurück­zu­zah­len.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Mün­chen tra­ge der Käu­fer all­ge­mein das Ver­wen­dungs­ri­si­ko der Kauf­sa­che. Zum Zeit­punkt des Kau­fes habe die Perü­cke gepasst und kei­nen Man­gel gehabt. Das Zweit­haar­stu­dio habe kei­ne Bera­tungs­pflicht ver­letzt. So bestehe beson­de­re Fach­kun­de der Beklag­ten mit Blick auf die tech­ni­schen Fra­gen einer Ersatz­haar­pe­rü­cke, aber nicht zu medi­zi­ni­schen Sach­ver­hal­ten, ins­be­son­de­re nicht die künf­ti­ge gesund­heit­li­che Ent­wick­lung bei der Klä­ge­rin.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 24. Okto­ber 2013 – 122 C 15000/​13